Wissen schafft Heilung.

 

Urogynäkologie

Liebe Patientin,

Blasenfunktionsstörungen mit unwillkürlichem Urinverlust und/oder Blasenentleerungs-Störungen betreffen etwa jede dritte Frau im Wartezimmer einer gynäkologischen Praxis. Es existiert leider noch oft die Überzeugung, dass Inkontinenz im Alter normal sei und deswegen eine Behandlung weder notwendig noch Erfolg versprechend ist. Dabei leiden Inkontinenzbetroffene unter teilweise gravierenden Auswirkungen der fehlenden Blasenkontrolle (weitere Informationen des Robert-Koch-Instituts).

Ob Belastungsinkontinenz (Urinverlust ohne Drang bei Husten, Niesen oder Lachen) oder eine überaktive Blase (plötzlicher Harndrang mit/ohne Inkontinenz), Mischformen oder andere seltene Inkontinenzformen, es handelt sich meistens um eine Erkrankung mit mehreren Ursachen. Eine dieser Ursachen kann eine Beckenbodenschwäche mit einer daraus folgenden Senkung der Gebärmutter und/oder der Scheide mit Blase und/oder Darm sein.

In der urogynäkologischen Sprechstunde in der Frauenklinik rechts der Isar befassen wir uns außerdem mit der Behandlung von Folgeerkrankungen nach Geburtsverletzungen. Diese können Stuhlinkontinenz, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) und/oder Senkungszustände zur Folge haben.

Obwohl es sich dabei um weitverbreitete Leiden handelt, werden diese Themen noch immer stark tabuisiert. Umso wichtiger ist daher eine individuelle, kompetente sowie einfühlsame Untersuchung und Beratung. Nach einem umfassenden Patienten/Arzt-Gespräch sowie speziellen Untersuchungen werden wir mit Ihnen gemeinsam ein individuell zugeschnittenes Therapiekonzept erstellen. Auch wenn nicht immer eine Heilung möglich ist, so können wir doch in den meisten Fällen eine Linderung der Beschwerden erreichen und somit eine Verbesserung der Lebensqualität für Sie schaffen.
 

Das Ärzteteam der Urogynäkologie

PD Dr. Christine Brambs
Komm. Direktorin

Dr. Dimitrios Chronas
Oberarzt

Dr. Joy Weyrich
Assistenzärztin

 

 

Leistungsspektrum

Folgende Leistungen werden in unserer urogynäkologischen Sprechstunde angeboten:

  • Diagnostik und Therapie von Harninkontinenz/Blasenschwäche
  • Diagnostik und Therapie von Senkungszustände/Beckenbodenschwäche
  • Nachsorge nach höhergradigen Geburtsverletzungen (Dammriss 3. Grades) und Prävention/Behandlung von Folgeerkrankungen



Therapiekonzepte

Die Behandlungsoptionen wurden in den letzten Jahren deutlich erweitert. Sie sind schonender und umfassen ein weites Feld von konservativen Maßnahmen bis hin zu modernen minimal invasiven Operationsmethoden, die individuell auf Sie und Ihre Schwachstelle zugeschnitten werden.

Diagnostik:
Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und gynäkologische Untersuchung
Standardisierte Fragebögen (Deutsches Beckenbodenzentrum)
Harnuntersuchung
Beckenbodenbeurteilung: Introitus-/Perinealsonographie, Vaginalsonographie
Blasendruck-Messung: Urodynamik, Urethradruckprofil, Uroflow
Ggf. weitere bildgebende Diagnostik (Blasenspiegelung (Urethrozystoskopie), Röntgen, CT, MRT, dynamisches MRT)

Konservativ:
Medikamentöse Therapie der Dranginkontinez und Belastunginskontinenz
Lokale Östrogenisierung
Beckenbodentraining mit ggf. Beckenbodenstimulation und Biofeedback
Pessartherapie

Deszensuschirurgie (weitere Informationen):
Falls erforderlich, Entfernung der Gebärmutter
Wiederaufbau des Beckenbodens zur Blase (vordere Scheidenplastik)
Wiederaufbau des Beckenbodens zum Darm (hintere Scheidenplastik)
Vaginale vordere und hintere Netzeinlagen
Aufhängung des Scheidenstumpfes am Becken (sakrospinale Fixation nach McCall)
Netzbasierte Aufhängung des Scheidenstumpfes/ Gebärmutterhalses am Becken durch Bauchspiegelung/Bauchschnitt (Sakrokolpopexie/ Sakrozervikopexie, Operation nach Amreich-Richter)

Inkontinenzchirurgie:
Spannungsfreie Scheidenbänder (retropubisches TVT, TOT, Kurzarmschlinge)
Falls erforderlich, Harnröhrenanhebung durch Bauchschnitt (Operation nach Burch)

Bei komplexen Fällen arbeiten wir innerhalb unseres interdisziplinären Beckenbodenzentrums eng mit den Kollegen der Urologie, Chirurgie, Radiologie, Neurologie und Psychosomatik zusammen.



Fragebogen

Sollten Sie einen Termin bei uns vereinbaren, würden wir Sie bitten, im Vorfeld den Deutschen Beckenboden-Fragebogen auszufüllen. Dieser dient als Grundlage für die Erhebung Ihrer Beschwerden.