Wissen schafft Heilung

 

Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs

Genetische Beratung und Testung bei Frauen aus Familien mit gehäuftem Auftreten von Brust- und Eierstockkrebs. Weitere Informationen dazu finden Sie auf unserem Flyer.

Anmeldung für Sprechstunden (Montag-Donnerstag 9.00-12.30)

Frau Berger-Piefke: 089-4140-7406

Fragen zur genetischen und gynäkologischen Betreuung:

Prof. Dr. Alfons Meindl: 089-4140-6750

Dr. med. Katharina Pfeifer: 089-4140-7406/6751

Dr. med. Anne Krämer: 089-4140-7406/6751

Prof. Dr. Marion Kiechle: 089-4140-2424

Fragen zur Intensivierten Früherkennung (Institut für Radiologie):

Dr. med. I. Lämmer-Skarke: 089-4140-6735

Prof. Dr. Ernst Rummeny: 089-4140-2621

 

LIBRE-Studie - Lebensstil-Intervention bei Frauen mit erblichem Brust und Eierstockkrebs startet 2015
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Zentrum München Familiärer Brust- und Eierstockskrebs

Das Zentrum München ist eines von inzwischen 15 bundesweiten Zentren, die sich um die flächendeckende Versorgung und interdisziplinäre Betreuung von Patientinnen oder Risikopersonen mit erblichen Brust- und Eierstockkrebs kümmern. In Zusammenarbeit mit der Frauenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität (Leitung Prof. K. Friese, Anmeldung bei Frau M. Jähnig), wird den Frauen eine vollständige Beratung, Diagnostik und Betreuung angeboten.

Bestandteile unseres Beratungs- und Betreuungskonzeptes

Genetische Beratung zur Ermittlung eines eventuell vorliegenden genetischen Risikos bei Personen, die aus folgenden Familien stammen oder erkrankten Einzelpersonen (Einschlußkriterien für genetische Testung):

1. drei Frauen mit Brustkrebs, unabhängig vom Alter

2. zwei Frauen mit Brustkrebs, davon mindestens eine Erkrankung vor 51.

3. eine Frau mit Brustkrebs, eine Frau mit Eierstockkkrebs

4. zwei Frauen mit Eierstockkrebs

5. zwei Frauen mit Eierstockkrebs

6. ein Mann und eine Frau mit Brustkrebs

7. ein Mann mit Brustkrebs und ein anderer Tumor in der Familie

8. eine Frau mit Brustkrebs vor dem 36. oder eine Frau mit Eierstockkrebs vor dem 65. Lebensjahr

9. eine Frau mit Brust- und Eierstockkrebs

10. eine Frau mit beidseitigem Brustkrebs, davon die erste Diagnose vor dem 51.Lebensjahr

Im Rahmen wissenschaftlicher Begleitprojekte werden außerdem Frauen, bei denen zwischen dem 36. und 51. Lebensjahr ein tripel-negatives Mammakarzinom, und Männer, bei denen Brustkrebs festgestellt wurde, beraten und genetisch untersucht.

Für alle Frauen (oder Männer), die aus solchen Familien  stammen, wird ein Stammbaum erstellt, der die Grundlage für die Berechnung des genetischen Risikos ist. Dafür wird ein spezielles Programm angewendet (Cyrillic 2.1), das aber ständig weiter entwickelt wird.

Genetische Testung

 Aufgrund eines speziellen Vertrages mit den Krankenkassen wird Personen, die die Einschlußkriterien erfüllen, eine genetische Testung der beiden BRCA-Gene angeboten. Sie heißen BRCA1 und BRCA2, wobei BRCA für „BReast Cancer“ (engl. für Brustkrebs) steht. Zusätzlich werden Personen im Rahmen wissenschaftlicher Projekte untersucht, um zu ermitteln, wie hoch dort die Wahrscheinlichkeit ist, genetische Veränderungen zu finden.

 

 

Quelle: Meindl, Alfons; Ditsch, Nina; Kast, Karin; Rhiem, Kerstin; Schmutzler, Rita K.: Familiäres Mamma- und Ovarialkarzinom: Neue Gene, neue Therapien, neue Konzepte - Dtsch Arztebl Int 2011; 108(19): 323-30; DOI: 10.3238/arztebl.2011.0323

In der Regel wird zuerst eine  oder die erkrankte Frau aus der Familie untersucht. Wird dabei eine klare genetische Veränderung gefunden, können die noch nicht erkrankten Ratsuchenden aus der Familie getestet werden. Entsprechend dem vorliegenden Erbgang, haben im Schnitt 50% der weiblichen Nachkommen die Mutation vererbt bekommen, und 50% nicht. Letztere sind damit entlastet und benötigen keine spezielle Überwachung mehr, jenen 50% mit der vererbten Mutation, werden spezielle Früherkennungsprogramme und evtl. spezielle operative Maßnahmen angeboten. Eine intensivierte Früherkennung muss aber auch dann angeboten werden, wenn keine Veränderung gefunden wurde, das genetische Risiko bei der Ratsuchenden aber größer als 20% ist. Allerdings zeigen aktuelle Daten des deutschen Konsortiums, dass in Zukunft die Mehrheit der Töchter von erkrankten Frauen, die keine Mutation in den beiden BRCA-Genen haben, keine Früherkennung brauchen.

Nur wenn die erkrankten Familienmitglieder schon verstorben sind, wird eine noch nicht erkrankte Frau vollständig in den beiden Genen untersucht.

Die genetische Testung ist sehr aufwändig und dauerte deshalb früher mehrere Monate. Technologische Entwicklungen haben es aber möglich gemacht, die Untersuchungen jetzt innerhalb von 4-6 Wochen, in dringenden Fällen, sogar innerhalb zwei Wochen durchzuführen.

Die Wahrscheinlichkeit eine Mutation zu finden, ist abhängig von der jeweiligen familiären Situation. Das Deutsche Konsortium für familiäres Mamma- und Ovarialkarzinom (Brust- und Eierstockkrebs) hat die Mutationshäufigkeiten dafür ermittelt:


 

 

Daraus ist zu ersehen, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit eine Mutation zu finden, nur in bestimmten Risikokonstelallationen gegeben ist. Dies mag eventuell die Entscheidung einer Frau hinsichtlich der Einwilligung in den Gentest beeinflußen !

Im Rahmen von Studien werden weitere Gene, die in wenigen Fällen mit Brust- und Eierstockkrebs in Verbindung stehen, untersucht. Dazu gehören die beiden RAD51-Gene, RAD51C und RAD51D. Außerdem wird ein Gen, dass in ca. 2-3% aller Brustkrebsfamilien verändert ist, das CHEK2-Gen, untersucht. In  sehr wenigen Fällen können Veränderungen in diesem Gen zu beidseitigem Brustkrebs oder Bauchspeicheldrüsenkrebs, führen.

 

  

 

  

Quelle: Meindl, Alfons; Ditsch, Nina; Kast, Karin; Rhiem, Kerstin; Schmutzler, Rita K.: Familiäres Mamma- und Ovarialkarzinom: Neue Gene, neue Therapien, neue Konzepte - Dtsch Arztebl Int 2011; 108(19): 323-30; DOI: 10.3238/arztebl.2011.0323

Intensivierte Früherkennung

Die alleinige Überwachung der jungen, dichten Brust durch Mammagrafie ist nicht ausreichend. Gesunde und erkrankte Frauen vor dem 51. Lebensjahr, bei denen eine Veränderung in einem der beiden BRCA-Gene nachgewiesen wurde, bekommen deshalb eine intensivierte Früherkennung angeboten. Außerdem nicht erkrankte Frauen, deren errechnetes genetisches Risiko größer als 20% ist.

Die intensivierte Früherkennung, die die jährliche Überwachung durch eine Kernspintomografie vorsieht, kann gegenwärtig nur an den 15 Zentren oder speziellen Kooperationspartnern durchgeführt werden.

Es beinhaltet folgende bildgebende Verfahren:


  

                               

Quelle: Meindl, Alfons; Ditsch, Nina; Kast, Karin; Rhiem, Kerstin; Schmutzler, Rita K.: Familiäres Mamma- und Ovarialkarzinom: Neue Gene, neue Therapien, neue Konzepte - Dtsch Arztebl Int 2011; 108(19): 323-30; DOI: 10.3238/arztebl.2011.0323

 

An der Frauenklinik am Klinikum rechts der Isar erfolgt die Anmeldung für diese radiologischen Untersuchungen  bei Frau Berger-Piefke (089-4140-7406) und sie werden am Mammazentrum in der Ismaninger Str. 19 durchgeführt (Institut für Radiologie am Klinikum rechts der Isar). Für Rückfragen zu diesen Untersuchungen steht OÄ Dr. Lämmer-Skarke unter Nummer 089-4140-6735 zur Verfügung.

  

 

Prophylaktische Operationen

Genetische Veränderungen (Mutationen) im BRCA1-Gen sind nicht nur mit einem hohen Risiko für Brustkrebs (bis zu 90%), sondern auch für Eierstockkrebs (ca. 40-50%) verbunden. Wenn deshalb bei  Frauen eine BRCA1-Mutation nachgewiesen wird, muss die Entfernung der Eierstöcke und Eileiter (Adnexektomie) angeboten werden. Damit wird die Wahrscheinlichkeit an einem Ovarialkarzinom zu erkranken, um ca. 95% verringert. Wird der Eingriff zwischen dem 35.-40. Lebensjahr durchgeführt, verringert sich auch das Risiko an Brustkrebs zu erkranken, um ca. 35%.
Mutationen im BRCA2-Gen sind ebenfalls mit einem hohen Risiko für Bruskrebs (ca. 80%) , aber einem etwas geringerem Risiko für Eierstockkrebs (15-20%) verbunden. Trotzdem muss auch hier eine prophylaktische Entfernung der Ovarien empfohlen werden. Wenn diese zwischen dem 40.-45. Lebensjahr entfernt werden, kann der Schutz für die Brust sogar bei 60% liegen.
 

 

Eine beidseitige Entfernung der Brust kann erst mal nach rein klinischen oder histologischen Kriterien empfohlen werden. Aus genetischer Sicht sollte mit einer jungen nicht erkrankten Ratsuchenden mit einer BRCA1-Mutation über den Vorteil einer solchen Maßnahme diskutiert werden. Dasselbe gilt für die junge, einseitig an Brustkrebs erkrankte Frau mit einer BRCA1-Mutation. Grund dafür ist, dass hier das Risiko für die Erkrankung der zweiten Brust sehr hoch sein kann.

Schwieriger ist die Entscheidung pro oder contra Mastektomie bei Vorliegen einer BRCA2-Mutation. Durch die Entfernung der Eierstöcke zwischen dem 40.-45. Geburtstag kann die Erkran-kungswahrscheinlichkeit um ca. 60% verringert werden, das Erkrankungsrisiko einer Frau mit einer BRCA2-Mutation liegt bis zum 51. Lebensjahr bei ca. 20%. D. h. die Erkrankungswahrscheinlichkeit für Brustkrebs beträgt ca. 7% !

 

Therapiemöglichkeiten bei erblichem Brust- und Eierstockkkrebs

Noch bis vor kurzem herrschte die Ansicht, dass Frauen mit einem genetisch bedingten Brustkrebs nicht anders (chemo)-therapiert werden müssen als Frauen mit einem sporadischen Mammakarzinom. Neuere Untersuchungen zeigen aber, das bestimmte Regime, d. h. Substanzen, bei den erblichen Formen von Brust- und/oder Eierstockkrebs besser wirken:
a) Anthracycline: durch verschiedene Publikationen und Arbeiten von uns wurde deutlich, dasss der Einsatz von Anthrazyklinen bei erblichen bzw. tripel-negativen Mammakarzinomen vorteilhaft ist.
b) Ein sehr starker Effekt zeigte sich bei BRCA1-Mutationsträgerinnen beim Einsatz von Platinde-rivaten. Obwohl dies noch in größeren Studien bestätigt werden muss, gibt es gute Hinweise, dass dadurch das Überleben verbessert wird.
c) Am vielversprechendsten, weil am spezifischsten in der Wirkung und am nebenwirkungsärmsten nach der Anwendung, sind die sogenannten PARP-Inhibitoren. In den meisten Studien zeigten sie eine deutliche Wirkung, bei BRCA-Mutationsträgerinnen. Nachdem in den letzten Monaten einige Unklarheiten beseitigt werden konnten, bemühen sich mehrere Pharmafirmen um eine baldige Zulassung.

 

 

Publikationen

Die Kompetenz und Expertise unseres Zentrums ergibt sich nicht nur aus der jahrelangen Erfahrung in der Diagnostik der BRCA-Gene, sondern auch aus den zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten und Publikationen. Im folgenden werden alle, die direkt mit der Erforschung des erblichen Brust- und/oder Eierstockkrebs zu tun haben, chronologisch aufgelistet:


1.    Meindl A, Ditsch N, Kast K, Rhiem K, Schmutzler RK. Familiäres Mamma- und Ovarialkarzinom Deutsches Ärzteblatt 108: 323-330 (2011)
2.    Meindl A, Hellebrand H, Wiek C, Erven V, Wappenschmidt B, et al. Germline mutations in breast and ovarian cancer pedigrees establish RAD51C as a human cancer susceptibility gene. Nat Genet 42: 410-414  (2010)
3.    Hellebrand H,  Sutter C, Honisch E, Gross E, mehrere Autoren, Kiechle M, mehrere Autoren, Meindl A. Germline mutations in the PALB2 gene are population specific and occur with low frequencies in familial breast cance. Hum Mut 32: E2176-21888 (2011)  
4.    Graeser MK,  mehrere Autoren, Kiechle M, Meindl  A, Vargas D, Schmutzler RK.  Contralateral breast cancer risk in BRCA1 and  BRCA2 mutation carriers. J  Clin Oncol 27:  5887-5892 (2009)
5.    Hemminki K, mehrere Autoren, Bartram CR, Schmutzler RK, Meindl A. Low-risk variants FGFR2, TNRC9 and LSP1  in  German familial breast cancer patients. Int  J Cancer Epub   Oct 26 (2009)
6.    Milne RL, Benitez J, Nevanlinna H, mehrere Autoren, Meindl A, mehrere Autoren, Easton DF, Breast Cancer Association Consortium. Risk of estrogen receptor-positive and negative brease cancer and single-nucleotide polymorhgism 2q35-rs 13387042. J Natl Cancer Inst  101: 1012-1018 (2009)
7.    Ahmed S, mehrere Autoren, Meindl A, mehrere Autoren, Easton DF. Newly discovered breast cancer susceptibility loci on 3p24 and 17q23.2. Nat Genet 41: 585-590  (2009)
8.    Tchatchou S, Jung A, Hemminki K, mehrere Autoren, Meindl A, Schmutzler RK, Bartram CR, Burwinkel B. A variant affecting a putative miRNA target site in estrogen receptor (ESR) 1 is associated with breast cancer risk in premenopausal women. Carcinogenesis 30: 59-64 (2009)
9.    Engert S, Wappenschmidt B, Betz B, Kast K, Kutsche M, Hellebrand H, Goecke TO, Kiechle M, Niederacher D, Schmutzler RK, Meindl A. MLPA screening in the BRCA1 gene from 1.506 German hereditary breast cancer cases: novel deletions, frequent involvement of exon 17, and occurence in early-onset cases. Hum Mut 29: 948-958 (2008)
10.    Antoniou AC, Spurdle AB, Sinilnikova OM, Healey S, Pooley KA, Schmutzler RK, Versmold B, Engel C, Meindl A et al. Common breast cancer-predisposition alleles are associated with breast cancer risk in BRCA1 and BRCA2 mutation carriers. Am J Hum Genet 82: 937-948 (2008)
11.    Gross E, Holzl G, Arnold N, Hauenstein E, Jacobsen A, Schulze K, Ramser J, Meindl A, Kiechle M, Oefner PJ. Allelic loss analysis by denaturing high performance liquid chromatography and electrospray ionization mass spectrometry. Hum Mut 28: 303-311 (2006)
12.    Dufault M, Betz B, mehrere Autoren, Kiechle M, Meindl A  et al. Limited relevance of the CHEK2 gene in hereditary breast cancer Int J cancer 110: 320-325 (2004)
13.    Gross E, Arnold N, Pfeifer K, Bandick K, Kiechle M. Identification of specific BRCA1 and BRCA2 variants by dHPLC. Hum Mut 16: 345-353 (2000)