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Zwerchfellhernie

Was ist eine Zwerchfellhernie?

Das Zwerchfell ist der Muskel, der die Brust vom Bauch trennt. Es liegt eine Zwerchfellhernie vor, wenn dieser Muskel sich nicht vollständig entwickelt, so dass sich Bauchorgane (Magen, Leber, Darm, Milz) in der Brusthöhle befinden.

Die Hälfte der Fälle ist mit Fehlbildungen anderer Organe bzw. Veränderungen des Erbgutes verbunden.

Was sind die Folgen einer Zwerchfellhernie?

Die Lungen werden durch die Bauchorgane zusammengedrückt. Dies führt zu einer Unterentwicklung der Lungen (Lungenhypoplasie). Da ungeborene Kinder den Sauerstoff von der Plazenta (Mutterkuchen) durch die Nabelschnur bekommen, ist das Leben des Fetus, in der Regel, nicht gefährdet. Die Komplikationen treten erst nach der Geburt auf, wenn die Lungen für die Sauerstoffversorgung notwendig sind. Die Neugeborenen zeigen Atemversagen mit Sauerstoffmangel und Kreislaufprobleme. Eine ausgeprägte Unterentwicklung der Lungen kann trotz intensiver Versorgung zum Tod des Neugeborenen führen.

Wie kann man die Zwerchfellhernie erkennen?

Die Zwerchfellhernie wird durch eine Ultraschalluntersuchung erkannt. Es ist wichtig, zusätzliche Fehlbildungen bzw. Veränderungen des Erbgutes (mittels Fruchtwasseruntersuchung) auszuschließen. Auf diese Weise kann man die Überlebensprognose einschätzen. Der wichtigste bestimmende Prognosefaktor ist die Größe der Lungen.

Abb. 1: Linke Zwerchfellhernie: Die Bauchorgane (Magen, Leber, Darm) verschieben das Herz nach rechts und drücken die Lungen zusammen. 


Was können wir Ihnen anbieten?

Die Therapie einer Zwerchfellhernie erfordert ein multidisziplinäres Team (Pränataldiagnostik, fetale Chirurgie, Geburtshilfe, Anästhesie, Pädiatrie, Kinderchirurgie).

In Fällen mit einer geringen Überlebenserwartung ( ≤30%) kann eine vorgeburtliche Therapie in Betracht gezogen werden (um die 30. Schwangerschaftswoche), um die Überlebenschancen zu verbessern. Mit Hilfe einer kleinen Kamera (Fetoskop) kann ein Ballon in die Luftröhre eingebracht werden. Dies verhindert den Ausgang der Flüssigkeit, die von den Lungen gebildet wird, und führt zu einer Entfaltung der Lungen. Das Wachstum der Lungen wird regelmäßig nach der Operation sonographisch geprüft. Der Ballon wird ein paar Wochen später (um die 34. Schwangerschaftswoche) entfernt. Dieser Eingriff erhöht die initial geschätzte Überlebensrate um 30-40%.

Nach der Geburt wird das Neugeborene versorgt und stabilisiert, um die Zwerchfelloperation zu ermöglichen. Einige Neugeborene (ca. 10%) brauchen vorübergehend vor der Operation eine Maschine, die die Lungenfunktion übernimmt/unterstützt (eine so genannte ECMO, extrakorporale Membranoxygenierung).

Abb. 2: Einführung und Platzierung eines Ballons in die fetale Luftröhre.